Im Blog „Fruchtmark“ erscheinen Beiträge zu Strategie und Praxis des Digital Business – unregelmäßig, pointiert und gern „gegen den Strich“.

Google Book Settlement

08.05.2009

Über die Frage, was Google dürfen soll und was nicht, wird derzeit allerorten diskutiert. Noch ist unklar, was aus diesem Streit wird, aber die Argumente scheinen mir im wesentlichen ausgetauscht.

Vorweg: Ich selbst bin mir noch nicht sicher, ob das hergebrachte Urheberrecht langfristig den richtigen Weg aufzeigt, indem es nur den Urheber schützen will. Vielleicht ist diese Perspektive doch zu einseitig. Es ist sicher gut, einmal andersherum zu fragen, was es der Welt nützen würde, wenn qualitativ hochwertige Information jedermann weltweit zur Verfügung stünde – aber dann muss man auch über neue Modelle der Entgeltung nachdenken, sonst wird “schöpferische Tätigkeit” auf dem gewünschten Niveau nicht stattfinden, denn von Dank für Altruismus kann man sich kein Brot kaufen. Das ist ein weites Feld, vielleicht schreibe ich dazu einmal an anderer Stelle mehr.

Was mich aber an dem aktuellen Disput wundert ist die Struktur der Argumente pro Google:

1. Viele Verfechter argumentieren mit dem “Wesen des Internets”, seinen Chancen und seiner Rolle in der Informationsgesellschaft. Die Frage “Was soll im Internet erlaubt sein?” muss aber auf einer moralisch-ethischen und einer wirtschaftlichen Ebene diskutiert werden. Ein Verweis auf das Internet ist zirkulär. Das wird auch nicht besser, wenn man wie so einige Kollegen auf die Geschichte des Internets, die Meinungen seiner “Urheber” und den Stand der Diskussion in der Community und unter uns Internet-Profis verweist – denn wir Internet-Menschen können vielleicht zur Machbarkeit und zu neuen Ideen etwas gutes beitragen, die prinzipiell Klügeren in moralisch-ethischen und wirtschaftlichen Kategorien sind wir aber nicht.

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Serie Agenturauswahl, Teil 2: Kosten

04.05.2009

Nachdem ich es mir im letzten Blogeintrag mit dem Thema „Region“ leicht gemacht habe, heute einige Anregungen zu einem ganz schwierigen Fragenkomplex: den Kosten als Faktor für die Agenturauswahl.

Frage 1: Wie erkenne ich, auf welchem Preisniveau sich eine Agentur bewegt?

Generell halte ich die Kostenstruktur der Agentur für den besten Indikator des Preisniveaus, z.B. die Größe des Overheads, die Freelancerquote, den Schuldendienst (insbes. bei börsennotierten Agenturen) und das standortbedingte Personalkostenniveau. Solche Faktoren erkenne ich als Profi bei einem Besuch vor Ort mit ein paar Fragen.

Wenn Sie ohne dieses Branchenwissen ein Gespür bekommen möchten: Fragen Sie nach Kosten von Projekten auf der Referenzliste, die mit Ihrem Projekt vergleichbar sind! Hier wird man Ihnen zwar keine exakten Preise, wohl aber mündlich Preiszonen nennen – und wenn Sie vorher dezent erkennbar machen, dass Sie generell Referenzen einholen werden, werden Sie von der Agentur wahrheitsgetreue Angaben erhalten. Fragen Sie bei diesen Referenzprojekten nach “Aufwandstreibern”, d.h. den kritischen Faktoren, die den Aufwand bestimmt haben.

Beliebt ist auch die Abfrage von Tagessätzen bei Skillklassen, beispielsweise „Senior Konzepter“. Meine Meinung: Fragen Sie diese ab, aber nehmen Sie die Antwort nicht allzu ernst. Nach Standard-Tagessätzen fragen Einkäufer, die gern hochkomplexe Excel-Tabellen zum Ausfüllen vorgeben, jedoch leider übersehen, dass Dienstleistungen schwer vergleichbar sind. Agenturprofis sind bekanntlich kreativ und können meistens rechnen, sie werden Ihnen daher entweder marktübliche Preisangaben machen (z.B. 800 EUR/Tag) oder günstige Listenpreise nennen, die durch projektweisen Mehraufwand in der Praxis wieder zu marktüblichen Preisen mutieren. Das ist wie der Listenpreis des Grundmodells beim Autokauf – Sie verstehen mich schon ;-). Ausserdem können Sie nicht sicher sein, dass Sie in Ihrem Projekt diese Skillklasse tatsächlich auch bekommen und ich habe auch noch nie erlebt, dass die Seniorität eines Mitarbeiters im Projekt zu einer Nachverhandlung geführt hat (hier wird dann nicht über Tagessätze, sondern Mängel diskutiert). Ein deutlich formuliertes Beispiel: Sie erfragen vor Auftragsvergabe einen Senior-Tagessatz, nach Auftragsvergabe macht die Agentur aber eine Mischkalkulation mit 30% Praktikantenleistung – häufig übrigens der Sache nach zu recht, womit ich nicht sagen möchte, dass nicht der niedrigere Preis zu berechnen wäre.

Der in der Praxis entscheidende Weg ist, sich mit der Kostenermittlung bei Ihrem konkreten Projekt zu befassen. Weiterlesen »

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Serie Agenturauswahl, Teil 1: Region

23.04.2009

Da die letzten Tage die Sonne schien, fange ich mit einer kleinen Artikelserie an: einem “Heimspiel” zum Thema Agenturauswahl.

Heute: Die Region.

1. Der Faktor regionale Nähe wird meistens überschätzt. Wenn Sie sich auf eine einzige Region beschränken, reduzieren Sie den Kreis der infragekommenden Dienstleister „gefühlt“ auf ein Neuntel, nämlich um die übrigen acht PLZ-Gebiete. Nach meiner Erfahrung kommen innerhalb dieser einen Region nur sehr wenige Dienstleister in Betracht, jedenfalls dann, wenn Sie weiter nach den Kriterien Top-Qualität, richtige Größe, passende Chemie und Spezialwissen eingrenzen; in Hamburg beispielsweise, wo ich mich wirklich gut auskenne, kann ich Kunden in der Regel meistens keine drei Agenturen empfehlen, die den richtigen „Fit“ haben. Wollen Sie wirklich nur drei zur Wahl?

2. Ausserdem: die Mehrkosten für überregionale Zusammenarbeit werden überschätzt! Als Kunde können Sie die Agentur vertraglich zu pauschalisierten Reisespesen veranlassen, die auf langen Vorausbuchungsfristen beruhen. Beispiel: Hamburg-Frankfurt, 4 Meetings a 2 Teilnehmer der Agentur sind nach Bahntarif rund 1.300 EUR (Bahncard 25) bzw. 800 EUR (Bahncard 50), bei Billigfliegern gut das Doppelte. Falls Übernachtungen nötig sind, geben Sie der Agentur den Hotelbuchungscode ihrer Vertragshotels, auch das spart. Das Reisebudget sind daher wenige Prozent des Projektvolumens, die Sie durch Beauftragung von Spezialisten aus anderen Regionen schnell wieder amortisieren. Weiterlesen »

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Guten Tag.

20.03.2009

Viele haben mich seit der Gründung von Fructus gefragt: was ist und macht Fructus? Und was hast Du damit vor?

Die erste Frage soll diese Website beantworten.

Zur zweiten Frage, was ich mit Fructus vorhabe, ein persönliches Statement: Es gibt – entgegen allen Erwartungen von Branchenkollegen, Investoren, Bankern, Kunden, Ex-Mitarbeitern – keinen Plan darüber hinaus, was hier auf dieser Website steht. Fructus macht, was Fructus macht.

Ich bin Mitte der 80er als Jurist und IT-Mensch in die digitale Branche gekommen, weil mich etwas an ihr bis heute reizt: Dass etwas Neues entsteht aus der Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Disziplinen und Mentalitäten, unter den schwierigen Bedingungen von Technologie und Zeitdruck. Ideen zum Fliegen zu bringen, die sich einerseits wirtschaftlich rechnen und die andererseits Nutzen für Viele stiften, das ist das eine, was mich antreibt. Menschen zusammenzubringen und zu führen, die unter diesen Umständen produktiv sind und kooperativ miteinander umgehen, das ist das andere, was ich in rund 20 Jahren in der Praxis gelernt habe und was ich – nach vielen Lektionen im Leben! – inzwischen beherrsche und gerne weitergeben möchte.

Fructus ist Luxus, für mich persönlich, und ich freue mich auf das, was kommt.

In diesem Blog hier werde ich zu denjenigen Themen unregelmässig Beiträge schreiben, die mich im digitalen Geschäft beschäftigen. Das wird nicht das hundertste Posting zu Technik und Twitter sein, das können andere besser. Ich möchte versuchen, eher hintergründig und nicht nachrichtengetrieben zu schreiben. Es wird nicht häufig sein, dass ich schreibe, und wenn ich schreibe, wird es fragmentarisch und durch meine persönliche Brille betrachtet sein, weil dies das Medium ausmacht. Geschliffene Vorträge, ausgefeilte Konzepte und sachliche Analysen sind daily business und gehören hier nicht hin.

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